Potenziale entfalten: Bildung für Integration in Hessen

Jochen Sauerborn, Vorsitzender des Aufsichtsrates
der UBS Deutschland AG

Die Welt ist sprichwörtlich klein geworden in politischer, wirtschaftlicher, ökologischer aber auch in kultureller Hinsicht. Dies beschränkt die Mittel und Möglichkeiten des einzelnen Staates, den damit verbundenen Herausforderungen im Alleingang zu begegnen. In einer Welt, die von tiefgreifenden Interdependenzen bestimmt wird, ist für die Politik internationales Denken und Handeln Aufgabe und Verpflichtung zugleich.

Es sind oftmals Krisen, wie die jüngste Weltwirtschaftskrise, die solche Einsichten ein Stück weit weiter reifen lassen. Ein wichtiges Ergebnis des Treffens der Staats- und Regierungschefs der G-20-Nationen im September 2009 in Pittsburgh war es, dass auch wichtige Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien mit am Tisch sitzen müssen, wenn Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft festgezurrt werden.

Die Wirtschaft unseres Landes ist in hohem Maße exportorientiert, Frankfurt am Main ist Sitz der europäischen Zentralbank, in der Rhein-Main-Region sind viele ausländische Unternehmen ansässig. Die Bevölkerung des Landes ist ein Spiegel dieser internationalen Ausrichtung und Einbindung. Viele Hessen haben heutzutage ausländische Wurzeln.

Wer könnte und wer wollte das Rad der Geschichte zurückdrehen? Im Interesse des wirtschaftlichen Erfolges unseres Landes gilt es diese Internationalität zu bewahren und zu gestalten. Es gilt Befürchtungen auszuräumen, man könne die eigene kulturelle Identität verlieren, wenn man sich aufgeschlossen für Neues zeige und Brücken zu Menschen schlage, die in unterschiedlichen kulturellen oder religiösem Kontexten groß geworden sind. Das Gegenteil ist der Fall, tatsächlich weitet sich der persönliche Horizont.

Natürlich sind mit der Integration der Zuwanderinnen und Zuwanderer auch vielfältige Herausforderungen verbunden. Es ist deshalb der Bedeutung dieses Themas angemessen, wenn dafür im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen, in der wichtige Zukunftsaufgaben gebündelt wurden, Lösungen erarbeitet werden.

Das Thema Integration unter dem Blickwinkel der Bildung anzugehen, ist der richtige Weg. Unser Land ist auf die Talente der jungen Menschen mit Migrationshintergrund angewiesen. Bildung erschließt den Zugang zu demokratischen Grundhaltungen und religiöser Toleranz, darüber hinaus vermittelt sie den jungen Menschen die Qualifikationen, die notwendig sind, um in der Berufswelt von morgen zu bestehen. Deshalb engagiere ich mich persönlich seit vielen Jahren auf diesem Gebiet.

Ich habe daher der Bitte des Hessischen Kultusministeriums gerne entsprochen, als Vorsitzender des Beirates dieses Projekt strategisch zu begleiten. Ich sehe hierin eine lohnende und spannende Aufgabe.