Die Idee klingt verlockend: Theoretisch lässt sich Kohlendioxid aus dem Abgas der Kohlekraftwerke abtrennen und in tiefen Gesteinsschichten speichern. Noch ist die Technik allerdings kaum erprobt und in der Praxis lauern Tücken.
Vom „Sauren Regen“ spricht heute kaum noch jemand. Denn das Schwefeldioxid, das einst die Wälder verätzte, wird heute in modernen Kohlekraftwerken von Filtern zurückgehalten.
Warum kann man das CO2-Problem nicht genauso lösen? Lässt sich das Treibhausgas nicht abfangen und unschädlich machen wie andere Schadstoffe auch?
Tatsächlich arbeiten große Stromkonzerne intensiv an Technologien, um CO2 vom restlichen Abgas ihrer Kraftwerke zu trennen und zu entsorgen. Dieses Verfahren wird als „Carbon Capture and Storage“ oder „CSS“ bezeichnet, was nichts anderes als „Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid“ bedeutet. Ziel ist es, das CO2 auf Dauer wieder dorthin zu bringen, woher der Kohlenstoff einst in Form von Öl oder Gas kam: tief unter die Erde.
Allerdings fällt CO2 nicht wie andere Schadstoffe in relativ kleinen Mengen als Verunreinigung an, sondern ist neben Wasserdampf das Hauptprodukt der Verbrennung von Kohle, Öl oder Erdgas. Die Ingenieure müssen also mit viel größeren Mengen fertig werden als etwa beim Schwefeldioxid.
Trotzdem wird die CO2-Abtrennung bereits in der Praxis erprobt – wenn auch in kleinem Umfang: Seit 2008 betreibt der Energiekonzern Vattenfall in seinem Kraftwerk „Schwarze Pumpe“ in Brandenburg eine Pilotanlage. Sie arbeitet nach dem so genannten „Oxyfuel“-Verfahren. Die Kohle verbrennt hierbei nicht mit Luft, sondern mit reinem Sauerstoff. So entsteht insgesamt weniger Abgas, das im Wesentlichen aus CO2 und Wasserdampf besteht. Kühlt man das Gemisch ab, kondensiert das Wasser und übrig bleibt das CO2.
Man kann jedoch auch die Kohle vergasen und das CO2 schon vor der Verbrennung abfangen. Eine dritte Methode ist, das Treibhausgas mithilfe eines Lösungsmittels später aus dem Rauchgas herauszuwaschen. Letzteres Verfahren hat den Vorteil, dass sich auch alte Kraftwerken nachrüsten ließen.
Gemeinsam ist allen drei Methoden ein Problem: Sie verbrauchen soviel Energie, dass der Wirkungsgrad des Kraftwerks um acht bis zwölf Prozent sinkt. Man muss also etwa ein Drittel mehr Kohle verbrennen, um unter dem Strich dieselbe Menge Strom zu erzeugen. Dadurch entsteht auch entsprechend mehr CO2, das unter die Erde muss.
Nach den Vorstellungen der CCS-Befürworter soll das Treibhausgas in Pipelines von den Kraftwerken zu den unterirdischen Lagerstätten fließen. Derzeit fallen in deutschen Kraftwerken etwa 370 Millionen Tonnen CO2 jährlich an; wollte man diese Menge abscheiden und lagern, müsste ein Netz ausreichend dicker Röhren das Land überziehen.
Als besonders geeignet für die Endlagerung gelten so genannte „saline Aquifere“ in mindestens 800 Metern Tiefe. Das sind poröse Gesteinsschichten, die von salzhaltigem Wasser getränkt sind. Presst man CO2 hinein, löst es sich im Salzwasser oder verdrängt es aus den Poren. Das unterirdisch gelagerte Treibhausgas befindet sich also nicht in einem großen unterirdischen Hohlraum, sondern steckt in unzähligen winzigen Hohlräumen.
Das norwegische Unternehmen Statoil erprobt das Verfahren seit 1996 in der Utsira-Gesteinsformation unter der Nordsee. Um den Klimawandel zu bremsen, muss verpresstes CO2 allerdings nicht nur ein paar Jahre, sondern Jahrtausende im Tiefengestein bleiben. In Brandenburg wehren sich Anwohner bereits gegen geplante CO2 -Speicher, da sie Angst haben, das Gas könnte unkontrolliert frei werden.
Als sicherer gelten erschöpfte Gasfelder, die ja bereits zuvor dicht gehalten haben. Die unterirdischen Speicher sind jedoch heiß begehrt, da sie auch als Zwischenlager für Gas- oder Druckluft sowie für die Nutzung der Erdwärme gebraucht werden.
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen, der die Bundesregierung berät, hält CCS denn auch für „möglich, aber nicht nachhaltig“. Nach Ansicht vor Experten wird CCS ohnehin frühestens 2020 großtechnisch einsatzbereit sein.
In Hessen gibt es nur bescheidene Lagerkapazitäten – insbesondere in den Erdöl- und Erdgasfeldern des Oberrheingrabens. Wie viel CO2 die salinen Aquifere des Landes aufnehmen können, lässt sich nur schwer beurteilen, da sie zu wenig erforscht sind. Insgesamt rechnen die Experten jedoch damit, dass im hessischen Untergrund kein Platz für die CO2-Emissionen eines Großkraftwerks ist.
Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V.