Viele Menschen verwechseln Wetter und Klima. Doch ein kalter Winter allein sagt nichts darüber aus, wie sich das Klima entwickelt. Und wenn die Deutschen frieren, kann der Rest der Welt durchaus ins Schwitzen geraten.
Schneechaos, wochenlanger Frost – der letzte Winter hatte es in sich. Wer jünger als 30 Jahre und nicht gerade in Gebirgslagen zuhause ist, hat so eine Kältewelle vermutlich noch nie erlebt. Sollten nicht gerade die Winter durch den Klimawandel wärmer werden? Wie passt der Superwinter zum globalen Erwärmungstrend? Oder war alles doch nur falscher Alarm?
Sobald das Wetter mal aus der Reihe tanzt, warten Stammtisch und Medien schnell mit dem Klimawandel als Erklärung auf. Elbeflut, Orkan, Jahrhundertsommer? Da sieht man die Folgen des Treibhauseffekts, heißt es dann. Wird es jedoch mal kälter als gewohnt, rufen dieselben Propheten ebenso schnell das Ende des Klimaproblems aus. Die Ökos haben mal wieder übertrieben, lautet dann die Devise.
Beide Sichtweisen sind falsch, und beide beruhen auf demselben Irrtum: Wer so argumentiert, verwechselt Wetter und Klima.
Wetter nennen wir den augenblicklichen Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort: Wenn es in Kassel regnet, in Frankfurt hagelt oder in Gießen die Sonne scheint. Bekanntlich ändert sich das Wetter ständig, mitunter kann die Temperatur innerhalb kürzester Zeit um etliche Grad steigen oder sinken. Und schon ein paar Kilometer weiter kann Petrus ganz anderen Launen nachgeben.
Das Klima ist hingegen eine weniger flüchtige Angelegenheit. Man kann es sich als einen Durchschnitt aller Wetterlagen über einen längeren Zeitraum hinweg vorstellen. Oft wird zur Beschreibung des Klimas eine Periode von 30 Jahren betrachtet. Brennt also in der Wüste an 360 Tagen im Jahr die Sonne unbarmherzig nieder, herrscht dort ein extrem heißes, trockenes Klima – auch wenn es an den restlichen fünf Tagen des Jahres in Strömen regnet. Und steigt die Temperatur an einem Ort im Jahresdurchschnitt seit 29 Jahren an, so erwärmt sich dort zweifellos das Klima – auch wenn es im 30. Jahr zufällig bitter kalt ist.
Zwischen Wetter und Klima ist der Begriff „Witterung“ angesiedelt. Er umfasst meist einen Zeitraum von mehreren Tagen bis Wochen. So herrscht beispielsweise im Herbst in der Rhön häufig eine nasskalte, trübe Witterung.
Anders als das Wetter ändert sich das Klima also nicht von Tag zu Tag und auch nicht von Jahr zu Jahr. Um Klimatrends festzustellen, gilt es, Wetterdaten vieler Jahre auszuwerten. Ein Extremereignis wie der kalte Winter 2009/2010 fällt dann nicht mehr so stark ins Gewicht.
Hinzu kommt: Während die Deutschen fröstelnd vor dem Kamin saßen, stöhnten die Menschen anderswo über die Hitze. Nach Daten der US-Weltraumbehörde NASA war der bei uns so ungemütliche Februar weltweit der zweitwärmste seit Beginn der systematischen Messungen im Jahr 1880. Die globale Durchschnittstemperatur lag 0,7 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Nur im Februar 1998 wurden noch höhere Werte gemessen.
Denn wenn auf der Nordhalbkugel der Erde Winter herrscht, ist im Süden ja Sommer. Und der fiel diesmal bombastisch aus: So warm waren die südlichen Meere und Landmassen um diese Jahreszeit noch nie seit es Wetterdaten gibt. In Rio de Janeiro stieg das Thermometer kurz vor dem Karneval auf unerträgliche 46 Grad Celsius.
Auslöser der Hitzewelle ist vermutlich der „El Nino“ im Südpazifik. So heißt eine Konstellation, bei der sich die Meeresströmungen verändern. Vor der Küste Perus wird der Ozean ungewöhnlich warm und beeinflusst das Wetter großer Teile der Erde. Während Lateinamerika jedoch bei „El Nino“ unter großer Hitze leidet, kühlt sich das Wetter in Europa eher ab.
Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V.